"Woher kommt die Wut?" - Ein Klient erzählt.

Als ich zum ersten Mal die Beratung der AHG aufsuchte, hatte ich eine Beziehung hinter mir, in der vor allem meine immer wiederkehrenden verbalen Wutausbrüche zu deren Zerbrechen geführt hatten. “Woher kommt die Wut?“, lautete die Frage, die ich anfangs mitgebracht hatte. Diese nahm der Berater sehr ernst und führte mich an zwei sehr zentrale Emotionen, denen ich mich in meinem Leben nie gestellt, sondern stets weggeschoben hatte: Ohnmacht und Angst.

Da ich diese Gefühle immer sofort negativ bewertete, wenn sie aufkamen, was sich in Wut zeigte, hatte es sich für mich immer angefühlt, als würde ich wie in der Luft hängen. Dies machte mich noch wütender. In der Beratung lernte ich, mit Ohnmacht und Angst in Kontakt zu treten, sie wahrzunehmen, wertzuschätzen und letztlich lieben zu lernen. Es ging also gar nicht darum, die Wut zu unterdrücken, sondern meine davorliegende Ohnmacht und Angst wahrzunehmen und diese in positive Energien umzuwandeln.

In meinem Alltag konnte ich dies in ganz unterschiedlichen Situationen üben, z.B. im Strassenverkehr, wenn es mal wieder nicht vorwärts ging oder wenn mir in der Küche etwas herunterfiel. In diesem Moment galt es, meine Ohnmacht zu akzeptieren, bevor es überhaupt zur Wut kommen konnte. Das alte Muster zu durchbrechen, war für mich eine sehr anstrengende Kopf-, Herz- und Emotionsarbeit und ich hatte das Gefühl, dass mein ganzes Leben dabei einmal auf links gedreht wird. Irgendwann merkte ich, dass das, was ich mir im Alltag immer wieder bewusst ins Gedächtnis rufen musste, plötzlich ganz natürlich aus dem Unbewussten kam.

Heute ist die Wut wie ein Gegenstand, auf den ich zwar immer noch zurückgreifen kann, doch ich selbst habe in der Hand, was ich damit mache. Ich bin weiterhin sehr aufmerksam, was in mir vorgeht und sehr glücklich über den Umgang, den ich damit gelernt habe. Was meinen Umgang mit Angst betrifft, durfte ich lernen, dass sie kein Gefühl ist, dass mich umbringt und es oft hilft, sie einfach meinem Gegenüber mitzuteilen. Mit diesem Gefühl tat ich mich viel schwerer, doch als ich das, was mein Berater mir mit auf den Weg gab, im Alltag umsetze, merkte ich, dass es tatsächlich einen Weg gibt. Die Angst löst sich auf, aber eben nicht, wenn ich vor ihr weglaufe, sondern indem ich mich ihr stelle.

In meinem Berater fand ich einen sehr zugewandten, verständnisvollen Menschen, der mich mit all dem, was mich bewegte, sehr ernst genommen hat. Bei ihm habe ich einen neuen Zugang zu meinen Gefühlen gelernt und viele andere wichtige Erkenntnisse über mein Verhalten in Beziehungen gewonnen. Ein zentraler Lernpunkt war für mich, dass wir oft nur eine einzige Strategie haben, um mit bestimmten Situationen umzugehen und Menschen eben nicht grundsätzlich gewalttätig sind, sondern es ihnen schlicht an Strategien fehlt.

Was ich in der Beratung gelernt und erarbeitet habe, prägt meinen Alltag nachhaltig. Durch die Beratung bin ich kein anderer geworden – und doch anders. Meine Gefühle sind immer noch dieselben, doch ich konnte einen Umgang damit erlernen. Dafür bin ich meinem Berater sehr dankbar und kann die Beratung der AHG allen empfehlen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden.

Juli 2021




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